LP-UPGR

Prolog


 
Das Geräusch war keine Frequenz. Es war ein Bohrer. Ein dünner, oszillierender Stahlstift, der sich durch den Gehörgang fraß, die Gehörknöchelchen passierte, ohne sie in Schwingung zu versetzen, und sich direkt in den Frontallappen schraubte. Rriiing.
William Dust saß im Dunkeln. Auf dem Boden, den Rücken gegen die kalte Heizung gepresst, die Knie an die Brust gezogen, die Hände über die Ohren gelegt. Er drückte so fest, dass das Rauschen seines eigenen Blutes wie Brandung klang, doch es half nicht. Das Klingeln war lauter als das Blut, lauter als der Regen, der draußen gegen die Panoramafenster des vierzigsten Stocks peitschte, lauter als seine Gedanken. Rriiing.
Es war ein altes Geräusch. Mechanisch. Das Schlagen eines winzigen Metallklöppels gegen eine Glockenschale aus Messing, ein Ton aus einer Zeit, als Anrufe noch Bedeutung trugen, als sie Nachrichten brachten, die sich ihrem Empfänger aufdrängten. William öffnete die Augen.
Das Apartment glich einem Friedhof aus Technik. High-End-Monitore, schwarz und glänzend wie Monolithen, standen leblos auf dem Schreibtisch. Server-Racks blinkten im Standby-Modus, kleine rote Augen in der Finsternis. Kabel schlängelten sich über das teure Parkett wie ein Nest aus Vipern, das darauf wartete, dass jemand unachtsam hintrat. William starrte auf das Telefon.
Es stand auf dem Beistelltisch neben dem Sofa. Ein analoges Relikt, behalten aus Sentimentalität. Oder aus Masochismus. Es vibrierte auf der Glasplatte, der Hörer tanzte in der Gabel. Rriiing. William zählte. Vierundzwanzig. Fünfundzwanzig.
Normalerweise gaben sie nach zehn Versuchen auf. Callcenter-Algorithmen arbeiteten effizient, Zeit bedeutete Geld, ein Kunde ohne Reaktion galt als Verlustposten. Die Software legte auf und wählte die nächste Nummer. Doch das hier folgte keiner Logik. Das hier war eine Belagerung. Sechsundzwanzig.
William stand auf. Seine Glieder fühlten sich steif an. Schlaf hatte es seit Tagen nicht gegeben, vielleicht seit zwei, vielleicht seit drei. Die Zeit war zerflossen, eine graue Masse aus Stunden, die ineinanderliefen. Er schwankte, griff nach der Sofalehne. Eine leere Flasche Macallan kippte um, rollte über den Tisch und fiel auf den Teppich. Kein Klirren, nur ein dumpfes Plopp.
Er ging auf das Telefon zu. Er hatte es ausgesteckt, daran erinnerte er sich genau. In der vergangenen Nacht, als die Stimmen lauter wurden, als sie begannen, seinen Namen zu flüstern, war er unter den Tisch gekrochen, hatte den Stecker aus der Dose gerissen, das Kabel sogar mit einem Seitenschneider durchtrennt, um sicherzugehen. Er sah auf den Boden. Das Kabel lag dort, ein ausgefranstes Ende, das ins Leere zeigte. Kupferadern blitzten im Streulicht der Straßenlaternen. Keine Verbindung, kein Strom, kein Signal. Trotzdem tanzte der Hörer. Rriiing. Physik, die sich über sich selbst lustig machte.
„Hör auf“, krächzte William. Seine Stimme klang rau, brüchig, wie Schleifpapier. Er hatte lange nicht gesprochen. Mit wem auch? Das Telefon klingelte weiter, aggressiver jetzt, fordernd. William streckte die Hand aus. Seine Finger zitterten, tiefer als Angst saß Wut, kalt und weiß, brennend wie Säure. Er packte den Hörer. Das Bakelit war warm, viel zu warm, Hauttemperatur. Er riss ihn von der Gabel. Das Klingeln brach ab.
Schlagartig herrschte Stille, die Art von Stille, die entsteht, wenn eine Luftschleuse schließt. Ein Vakuum zog an seinen Trommelfellen. William presste den Hörer ans Ohr, sagte nichts, atmete, wartete. Ein Rauschen, leise, statisch, wie Wind, der durch trockenes Gras streicht. Dann eine Stimme.
„Sind Sie zufrieden, Mr. Dust?“
Sie war männlich, glatt, synthetisch perfekt, doch unter der Oberfläche schwang etwas mit, das kein Computer erzeugen konnte. William schloss die Augen. „Wer ist da?“ – „Der Kundenservice“, sagte die Stimme. „Wir haben bemerkt, dass Sie versuchen, den Vertrag zu kündigen. Wir wollten sicherstellen, dass Sie die Konsequenzen verstehen.“ – „Ich habe keinen Vertrag.“ – „Jeder hat einen Vertrag, William. Sie haben ihn unterschrieben, als Sie das erste Mal weggesehen haben. Als Sie dachten: Ich wünschte, ich wäre woanders.“
William griff nach dem Gehäuse des Telefons und hob es an. Es wog schwer in seiner Hand. „Lass mich in Ruhe“, sagte er leise. – „Ruhe ist ein Premium-Feature“, säuselte die Stimme. „In Ihrem aktuellen Paket fehlt diese Option. Enthalten sind Schuldgefühle, Insomnia und die permanente Wiederholung von Szenario zwölf. Erinnern Sie sich? Der Regen. Das quietschende Bremsen?“
William riss das Telefonkabel aus dem Gerät. Die Stimme sprach weiter, aus dem Hörer, der mit nichts mehr verbunden war. „… das Splittern von Glas? Sie mag dieses Geräusch. Es tut ihr in den Ohren weh.“
„Halt die Fresse!“ William schleuderte das Telefon gegen die Wand. Der Aufprall klang wie ein Ziegelstein auf Putz. Das Gehäuse platzte, Federn, Metallteile und schwarze Scherben regneten auf den Boden. Der Hörer flog in die Ecke und blieb liegen. Still.
William lehnte sich gegen den Schreibtisch und rang nach Atem. Sein Herz hämmerte gegen die Rippen wie ein gefangener Vogel. Vorbei. Dann vibrierte es in seiner Hosentasche, ein kurzes, trockenes Summen. William erstarrte. Sein Smartphone. Er hatte es ausgeschaltet, Flugmodus, in eine Schublade geworfen. Weshalb steckte es in seiner Tasche? Er zog es heraus. Das Metall war heiß. Der Bildschirm leuchtete grellweiß. Keine Nummer, kein Name, nur ein Wort: ANNEHMEN. Eine Ablehnungsoption fehlte.
Gleichzeitig erwachte der große Monitor auf dem Schreibtisch. Kein Boot-Logo, kein Ladebalken, sofort ein Bild. Ein Videoanruf. William sah sich selbst, ein Mann Ende dreißig, der aussah wie fünfzig: graue Stoppeln, schwarze Ringe unter den Augen, ein zerrissenes T-Shirt. Ein Gespenst im eigenen Zuhause. Doch im Hintergrund, in seinem Rücken, stand jemand. Eine dunkle Gestalt im Türrahmen.
William wirbelte herum. Der Flur war leer, die Tür verriegelt, beide Schlösser geschlossen, die Kette vorgelegt. Er drehte sich zurück zum Monitor. Die Gestalt war noch da. Sie kam näher. „Wir sind überall, William“, dröhnte es aus den Lautsprechern, dieselbe Stimme, jetzt raumfüllend. „Im Netzwerk. In der Leitung. In den Wänden. Wenn Sie in die Wüste ziehen, sind wir bereits dort.“
William riss die Tastatur vom Tisch und drosch auf den Monitor ein. Das Display splitterte, das Bild verzerrte sich zu bunten Streifen. Die Stimme blieb. „Zerstörung hilft Ihnen nicht. Hardware lässt sich ersetzen. Ihre Erinnerung ist die Cloud. Und wir kennen das Passwort.“
William rannte ins Badezimmer, knallte die Tür zu, drehte den Schlüssel um. Er warf das Handy in die Toilette und spülte. Das Wasser strudelte, doch das Gerät blieb stecken. Der Bildschirm leuchtete unter Wasser weiter. ANNEHMEN. William wich zurück, bis er in der Duschkabine stand. Die Kacheln fühlten sich kalt an, die Kälte tat gut. „Ich bin krank“, flüsterte er. „Stress. Alkohol. Ein Schub.“
Er riss den Spiegelschrank auf. Döschen reihten sich aneinander: Benzodiazepine, Antipsychotika, Schlaftabletten. Er griff wahllos, schraubte eine Dose auf, kippte sich drei Pillen in den Mund und schluckte trocken. Er wartete auf das Nachlassen, auf weiche Konturen. Die Welt blieb scharf.
Dann klingelte es wieder. Die Wohnungstür. Ding-Dong. William hielt den Atem an. Drei Uhr morgens. Vielleicht die Nachbarn. Wegen des Lärms. Ding-Dong.
Er bewegte sich durch die Wohnung wie ein Eindringling, mied die Scherben, den zerstörten Monitor, die Reste des Telefons. Im Flur sah er durch den Spion. Leer. Neonlicht, grauer Teppich. Niemand. „Niemand“, hauchte er. Dann sah er es: Am Bodenspalt schob sich ein weißer Umschlag unter der Tür hindurch, langsam, ruckartig.
Er hörte keine Schritte, keinen Aufzug, keine Bewegung. Der Umschlag blieb liegen. Eine Einladung. Oder ein Urteil. William ging in die Knie, zögerte, berührte das Papier. Echt, schwer, Materie. Er öffnete den Umschlag im Wohnzimmer. Ein Foto fiel heraus, und ein metallisches Objekt, das klirrend auf den Boden schlug. Ein Autoschlüssel, alt, mit schwarzem Plastikkopf, das Ford-Logo vom Daumen eines Vorbesitzers abgenutzt.
Das Foto zeigte eine Wüstenlandschaft, rot, ockerfarben, braun. Ein heruntergekommener Trailer im Vordergrund, vertrocknete Büsche, ein weiter Himmel. Trostlos. Und doch ruhig. William drehte das Foto um. Ein Satz stand dort, handgeschrieben, sauber, technisch: Hier ist der Empfang schlechter.
Er verstand. Kein Drohbrief. Ein Angebot. „Silent Creek“, flüsterte er. Der Name stand nicht auf dem Bild, doch er tauchte in seinem Kopf auf wie eine Erinnerung, die lange unter Wasser gedrückt worden war. Er sah sich um: zerstörte Geräte, leere Flaschen, ein Luxusgefängnis. Wenn er blieb, würde er zerbrechen.
Er griff nach seiner Lederjacke, steckte Foto und Schlüssel ein, öffnete die Tür. Der Flur lag leer vor ihm. Er ging zum Aufzug. Während er wartete, hörte er es noch einmal, ganz leise, aus der Wohnung: das Telefon. Ein gebrochenes, schepperndes Rriiing. Der Aufzug kam, die Türen schlossen sich, das Geräusch verstummte.
William lehnte den Kopf gegen die kühle Metallwand. Der Schlüssel in seiner Tasche wurde warm. Er fuhr nach unten. Weg vom Lärm. Hinein in die Wüste. Hinein in das Schweigen.

 
Kapitel 1: Silent Creek
 
Der Motor des Ford Taurus starb nicht einfach ab. Er ergab sich. Ein letztes, ungesundes Rasseln lief durch das Chassis, gefolgt von einem metallischen Seufzer, als die Kolben zum Stillstand kamen. Dann war Stille. William Dust saß hinter dem Lenkrad und bewegte sich nicht. Seine Hände umklammerten das heiße Plastik auf zehn und zwei Uhr, die Knöchel weiß hervortretend, als erwartete er einen Aufprall. Doch es gab keinen Aufprall. Es gab nur das Ende der Bewegung. Er atmete aus. Die Luft im Wagen war verbraucht, roch nach altem Wunderbaum – Vanille, längst verblasst zu Chemie – und nach dem scharfen Geruch überhitzten Gummis. Die Klimaanlage hatte bereits fünfzig Meilen vor der Staatsgrenze aufgegeben. Seitdem war der Innenraum zu einem Backofen geworden.
William löste die Hände vom Lenkrad. Seine Finger waren steif. Er blickte in den Rückspiegel. Nichts. Keine Staubfahne. Kein schwarzer SUV. Kein Streifenwagen. Hinter ihm lag nur die Interstate 95, ein graues Band, das sich in der flirrenden Hitze auflöste. Er war seit sechs Stunden nicht mehr abgebogen, war einfach der Linie auf der Karte gefolgt, die in dem Umschlag gelegen hatte. Einer Linie, die nirgendwohin führte. Oder besser gesagt: hierher.
Er sah durch die staubige Windschutzscheibe. Ein toter Käfer klebte genau in seinem Sichtfeld, ein schwarzer Fleck vor dem endlosen Ocker der Wüste Nevadas. Silent Creek. Der Name klang wie ein Versprechen, das niemand halten konnte. Doch als William den Blick über die Ansammlung von Gebäuden schweifen ließ, die sich vor ihm in den Hitzeschleier duckten, musste er zugeben, dass der Ort sich Mühe gab, unsichtbar zu bleiben.
Es war keine Stadt. Es war ein Überbleibsel. Eine architektonische Fußnote. Vielleicht zwanzig Gebäude: ein Diner mit einem Schild, dessen Neonröhren vermutlich seit Jahren tot waren; eine Tankstelle mit Zapfsäulen aus den Siebzigern, deren roter Lack von der Sonne zu mattem Rosa ausgebleicht war; dahinter, aufgereiht wie Dominosteine, die jemand vergessen hatte umzustoßen, der Trailerpark.
Keine Menschen. Keine Autos auf der Straße. Kein Hund, der bellte. Nur der Wind, der kleine Sandwirbel über den Asphalt trieb.
William öffnete die Fahrertür. Die Hitze traf ihn nicht, sie überfiel ihn. Kein langsames Aufwärmen, sondern ein physischer Schlag, trocken, hart, gnadenlos. Die Luft hatte Gewicht. Sie drückte auf seine Lungen, sog die Feuchtigkeit aus seinen Poren, noch bevor Schweiß eine Chance hatte, die Haut zu kühlen. 43 Grad Celsius. Mindestens. Er stieg aus, seine Stiefel trafen auf den Kies des Parkplatzes. Das Knirschen war das lauteste Geräusch der Welt. Er schlug die Autotür zu. Der Klang verhallte nicht. Die Wüste schluckte ihn, als hätte Schall hier keine Berechtigung.
Einen Moment blieb er reglos stehen, die Sporttasche über der Schulter, die er am Flughafen in Reno gekauft und mit dem Nötigsten gefüllt hatte. Er lauschte. Das war der Test. In der Stadt, in seinem alten Leben, existierte keine echte Stille. Selbst nachts, im vierzigsten Stock, gab es immer dieses Grundrauschen: das Summen der Server, das elektrische Flirren der Leitungen in den Wänden, den Verkehr. Und in den letzten Wochen das Klingeln. Das verdammte Klingeln. Nicht immer real, manchmal nur die Erwartung des Geräuschs, schlimmer als der Ton selbst. Die Phantomschmerzen einer Gesellschaft im Dauerempfang. Kaufen Sie. Antworten Sie. Reagieren Sie.
Die Verkäufer waren überall gewesen. Sie kamen durch Glasfaserkabel, durch Funkmasten, durch die Risse in seiner eigenen psychischen Verteidigung. Aber hier? Hier hörte er nichts. Kein Summen, keine fernen Sirenen. Nur seinen eigenen Herzschlag, der langsam ruhiger wurde. Bum. Bum. Bum.
William schloss die Augen. Seine Hand tastete reflexhaft nach dem Handy in der Hosentasche, eine Bewegung so tief verankert wie das Atmen. Leerer Stoff. Er hatte kein Handy mehr. Er war analog. Offline. Nach modernen Maßstäben tot. Es fühlte sich gut an. Verdammt gut.
Er öffnete die Augen und ging auf den Trailerpark zu. Der Schlüssel aus dem Umschlag trug einen vergilbten Plastikanhänger, auf den jemand mit schwarzem Filzstift Nr. 4 geschrieben hatte. Er ging an der Tankstelle vorbei. Durch die Fenster sah er gefüllte Regale, aber niemanden an der Kasse. Vielleicht Siesta. Vielleicht war der Ort tatsächlich verlassen. Es war ihm gleich. Solange niemand Fragen stellte, musste er keine Antworten geben.
Am Eingang des Parks hing ein schiefes Schild: SILENT CREEK ESTATES. Das Wort Estates war ein Hohn. Staub und Blech, mehr nicht. Und doch war alles sauber. Das fiel ihm auf. Für einen Ort mitten in der Wüste lag erstaunlich wenig Müll herum. Keine Bierdosen, keine alten Zeitungen. Der Kiesweg zwischen den Trailern war geharkt. Die kleinen Vorgärten – manchmal nur ein paar Quadratmeter Sand mit Kakteen – wirkten gepflegt.
William ging die Reihe entlang. Trailer 1: dunkle Fenster, Jalousien unten. Trailer 2: ein altes Fahrrad an der Wand, die Reifen platt, der Rahmen poliert. Trailer 3: ein leerer Blumenkasten. Dann Trailer 4.
Er stand etwas abseits, als wäre er wegen schlechten Benehmens in die Ecke gestellt worden. Dahinter begann direkt die offene Wüste, eine endlose Ebene aus rotem Gestein und dornigem Gestrüpp. Der Trailer war ein altes Modell, ein Airstream aus den Siebzigern, aber ohne das glänzende Silber der Postkarten. Das Aluminium war matt, oxidiert zu stumpfem Grau, das die Sonne schluckte.
William blieb vor der Stufe stehen und scannte die Umgebung. Ein alter Instinkt. Paranoia legte man nicht an der Staatsgrenze ab. Niemand war zu sehen. Die Fenster der anderen Trailer wirkten wie dunkle Augenhöhlen. Kein Vorhang bewegte sich. Er war allein.
Er zog den Schlüssel aus der Tasche. Das Metall war warm. Er schob ihn ins Schloss. Kein Haken, kein Widerstand. Ein leises Klick. William drückte die Klinke und öffnete die Tür.
Er erwartete den Geruch von Verfall – alte Luft, Mäusekot, Schimmel. Stattdessen roch es nach Lavendel. Scharf, chemisch, sauber. Er runzelte die Stirn und trat ein. Die Hitze im Inneren war stickig, trotz der Jalousien. Die Luft stand, aber sie war frisch.
Der Raum war spartanisch. Ein Tisch mit Resopalplatte, deren Muster an verschütteten Kaffee erinnerte, makellos sauber. Zwei Stühle mit verchromten Beinen. Eine schmale Küchenzeile. Am Ende ein Bett, das Laken militärisch straff gespannt. William stellte die Tasche ab und ging langsam durch den Raum. Seine Stiefel machten auf dem Linoleum ein dumpfes Geräusch. Er strich mit dem Finger über den Tisch. Kein Staub. Mitten in der Wüste.
„Wer putzt hier?“, murmelte er. Seine Stimme klang fremd, zu laut.
Er öffnete den Kühlschrank. Kaltes, weißes Licht ging an. Leises Summen. Innen: eine Flasche Wasser, ein Glas Senf. Ungeöffnet. Das Siegel intakt. William schloss die Tür. Das Summen blieb. Elektrizität. Verbindung. Er tastete hinter das Gerät und riss den Stecker aus der Dose. Das Brummen starb sofort.
Stille.
William lehnte sich gegen die kühle Metalltür und atmete tief durch. Die Anspannung ließ nach. Ein wenig. Er war hier. Am Ende der Welt. Niemand wusste, wo er war. Nicht seine Kollegen. Nicht Dr. Aris. Nicht die Stimmen.
Er setzte sich an den Tisch, zog die Zigaretten hervor, klopfte eine heraus. Seine Hände waren ruhig. Neu. In der Stadt hatten sie gezittert, immer. Jetzt nicht. Er zündete die Zigarette an, sog den Rauch ein, blies ihn zur Decke und beobachtete, wie er sich in den Lichtstreifen der Jalousien kräuselte.
Dann sah er es.
In der Ecke neben dem Bett stand ein Telefon.
William erstarrte. Schwarzes Bakelit. Wählscheibe. Schwerer Hörer. Im Umschlag war davon keine Rede gewesen. Hier ist der Empfang schlechter – das war der Deal. Ein Telefon passte nicht dazu.
Langsam stand er auf und ging näher. Das Gerät glänzte im Halbdunkel, staubfrei. Er beugte sich hinunter und folgte dem stoffummantelten Kabel. Es verschwand hinter dem Bettgestell und endete abrupt. Durchtrennt. Sauber geschnitten. Die Kupferdrähte blitzten stumpf.
Es führte nirgendwohin.
William lachte leise. Trocken. Rostig. Dr. Aris hatte recht. Er sah Gespenster. Das Telefon war Deko. Müll. Ein Relikt. „Tot“, sagte er laut. „Mausetot.“
Er trat gegen das Kabelende, ging zurück zum Tisch, drückte die Zigarette im sauberen Aschenbecher aus. Dann öffnete er die Sporttasche, zog die Bourbonflasche hervor und nahm einen tiefen Schluck. Die Hitze breitete sich in seinem Magen aus. Er lehnte sich zurück und schloss die Augen.
Das war es. Hitze. Stille. Bourbon. Keine Anrufe.
Er würde bleiben. Einen Monat. Vielleicht zwei.
Die Müdigkeit kam schleichend. Er legte sich aufs Bett, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und starrte an die Decke. Dort hatte jemand Spiralen in die Verkleidung geritzt. Dutzende kleiner Wirbel. William fixierte einen davon. Die Stille legte sich schwer über ihn. Kein Klingeln. Kein Rriiing.
Er schlief ein.
Als er erwachte, war es kalt. Die Wüste hatte umgeschaltet. Das Aluminium des Trailers gab die Wärme frei, als hätte jemand den Stöpsel gezogen. William zitterte, zog die Decke über sich, roch Lavendel und Mottenkugeln. Mondlicht zeichnete Gittermuster auf den Boden. Er setzte sich auf, durstig, ging zur Küchenzeile, trank Wasser, lauwarm und plastisch.
Dann hörte er es.
Kies unter Schuhsohlen.
Langsam. Rhythmisch.
William schlich zum Fenster, hob eine Lamelle an. Der Mond tauchte Silent Creek in gespenstisches Silber. Vor Trailer Nr. 3 stand ein Mann. Dunkle Uniform. Hut mit breiter Krempe. Er bewegte sich nicht. Er blickte in die Wüste.
Minuten vergingen. Dann drehte der Mann den Kopf. Langsam. Mechanisch. Direkt zu Trailer 4.
William ließ die Lamelle los und wich zurück. Sein Herz raste. Schritte kamen keine. Schließlich ging er wieder zum Fenster. Der Platz war leer.
Er setzte sich aufs Bett. Sein Blick fiel auf das Telefon. Im Mondlicht sah es aus wie ein Tier. Er stand auf, trug es unter die Spüle, stellte es ganz nach hinten und schloss die Tür.
Aus den Augen, aus dem Sinn.
Er legte sich hin, starrte auf die Spiralen, die sich im Mondlicht zu bewegen schienen. „Morgen“, flüsterte er. „Bei Tageslicht.“
Draußen heulte der Kojote.
Diesmal klang es wie ein Lachen.

 
Kapitel 2: Der freundliche Sheriff
 
Der Morgen kam nicht. Er wurde eingeschaltet. Eben war es noch dunkel, und im nächsten Moment brannte die Sonne durch die Jalousien, als hätte jemand einen Scheinwerfer direkt vor das Glas gestellt. William Dust blinzelte, seine Augenlider fühlten sich an wie Sandpapier. Er hatte geschlafen, doch es war kein erholsamer Schlaf gewesen, eher ein schwarzes Loch der Bewusstlosigkeit. Er lag verdreht auf der Pritsche, das Laken um die Beine gewickelt. Sein Nacken war steif.
Das erste Geräusch war Abwesenheit. Kein Vogelgezwitscher, kein Verkehr, nicht einmal das Summen des Kühlschranks. Er rieb sich das Gesicht, Stoppeln kratzten an seinen Handflächen. Sein Blick wanderte zum Schrank unter der Spüle. Dort stand das Telefon. Eingesperrt.
Er stand auf, riss die Schranktür auf. Das schwarze Bakelit-Gerät stand da, eingekeilt zwischen Abflussrohr und Bodenreiniger. Es rührte sich nicht, sah harmlos aus. William starrte es eine Minute lang an, wartete auf ein Zucken des Hörers. Nichts. „Einbildung“, krächzte er. „Stressinduzierte Paranoia.“ Er schlug die Tür wieder zu.
Im Bad spritzte er sich lauwarmes, metallisch riechendes Wasser ins Gesicht. Im Spiegel sah er einen Mann, der vor etwas davonlief, das ihn längst eingeholt hatte. Die Schatten unter seinen Augen waren dunkelblau, tief wie Blutergüsse. Er zog Jeans und T-Shirt an, ließ die Schuhe weg. Er wollte den Boden spüren.
Zurück im Wohnbereich suchte er nach Kaffee. Nichts. Er hatte Whiskey, Wasser und Senf, aber kein Frühstück.
Dann klopfte es. Drei Schläge. Hart. Präzise. Fordernd.
William fuhr herum. Sein Herz hämmerte gegen die Rippen. Er hatte kein Auto gehört, keine Schritte auf dem Kies. Die Wände des Trailers waren dünn wie Papier, man hörte alles. Doch man hörte niemanden kommen?
Er starrte auf die Tür. Das Klopfen wiederholte sich im exakt gleichen Rhythmus. William griff nach der Whiskeyflasche und umfasste den Hals wie eine Keule. Er schlich zur Tür.
„Wer ist da?“, fragte er. Die Stimme verriet ihn, zu hoch, zu dünn.
„Zimmerservice“, antwortete eine Stimme. Tief, volltönend, mit einem Hauch Kies. Beunruhigend fröhlich.
William entsicherte den Riegel nicht. „Ich habe nichts bestellt.“
„Das ist das Schöne an Silent Creek“, sagte die Stimme. „Man bekommt, was man braucht, nicht was man will. Machen Sie auf, Mr. Dust. Der Kaffee wird kalt.“
Mr. Dust. Der Mann kannte seinen Namen. William trat zurück, das Gehirn raste. Er hatte niemandem seinen Namen gesagt, unter falschem Namen gemietet. Woher wusste der Mann das?
„Gehen Sie weg“, sagte William. „Oder ich rufe die Polizei.“
Ein kurzes Lachen, trocken wie Stiefel auf Schotter. „Das wird schwierig. Die Polizei steht bereits vor Ihrer Tür.“
William zögerte. Er stellte die Flasche ab, atmete tief durch und entriegelte die Tür. Gleißendes Licht flutete herein, blendete ihn, sodass die Gestalt nur ein schwarzer Scherenschnitt war.
„Guten Morgen!“
William kniff die Augen zusammen. Der Mann im Türrahmen war groß, füllte den Eingang fast vollständig aus. Er trug eine beigefarbene Uniform, die an den Schultern spannte. Ein Sheriff-Stern blitzte auf der Brust. Ein Stetson saß tief, die Krempe warf Schatten über die Augen. Das Gesicht war rotgegerbt, durchzogen von tiefen Falten wie ausgetrocknete Flussbetten. Er lächelte breit, zeigte starke weiße Zähne. Offen, freundlich, beinahe väterlich, und doch wirkte es, als hätte sich dieses Lächeln in das Fleisch gemeißelt.
„Sheriff?“, fragte William.
„Walther“, sagte der Mann. „Mit h. Wir legen hier Wert auf die kleinen Unterschiede.“
Er wartete nicht auf eine Einladung. Er trat ein, schob sich an William vorbei, und der Trailer wirkte plötzlich noch kleiner. Er roch nach Tabak, altem Leder und etwas Chemischem, wie Ozon.
„Hübsch haben Sie es hier“, sagte Walther. Er sah William an. Seine Augen waren dunkelbraun, fast schwarz. „Ein bisschen spartanisch vielleicht. Aber wer braucht schon Möbel, wenn er Ruhe sucht?“
In seiner Hand hielt er eine silberne Thermoskanne und zwei Plastikbecher. „Ich dachte mir, Sie könnten das brauchen.“ Er stellte die Kanne auf den Tisch. „Schwarzer Kaffee. Das Zeug im Diner schmeckt, als hätten sie einen Kojoten darin ausgekocht. Das hier ist meine eigene Mischung.“
William schloss die Tür und blieb auf Abstand. „Woher kennen Sie meinen Namen?“
Walther drehte einen Stuhl um und setzte sich rittlings, die Arme über der Lehne verschränkt. „William Dust“, sagte er genüsslich. „Der Mann, der in Reno einen Ford Taurus mietet und bar bezahlt. Kennzeichen NV-404-ERR.“ Er schraubte den Deckel der Thermoskanne ab. Dampf stieg auf, der Geruch war erdig, dunkel, fast schokoladig.
„Ich bin der Sheriff“, fuhr Walther fort. „In Silent Creek passiert nichts, ohne dass ich es weiß. Wenn ein Skorpion hustet, kriege ich einen Bericht.“
„Sie überwachen Besucher?“
„Wir haben keine Touristen, William. Wir haben Besucher. Und Pilger. Die Frage ist: Zu welcher Kategorie gehören Sie?“ Er schob einen Becher über den Tisch. „Setzen Sie sich. Trinken Sie. Sie sehen aus, als hätten Sie Gespenster gesehen.“
William rührte sich nicht. „Ich stehe lieber.“
Walther zuckte mit den Schultern. „Wie Sie wollen.“ Er trank einen Schluck. „Ah. Das weckt die Toten auf.“
Er stellte den Becher ab. Das Lächeln wirkte prüfend. „Also, William. Was führt einen Mann wie Sie hierher? Schulden? Eine Frau? Oder die Sehnsucht nach dem Nichts?“
„Ich will meine Ruhe.“
Walther nickte. „Ein teures Gut. Die Welt da draußen ist laut. Sie schreit einen an.“ Er machte eine wegwerfende Handbewegung. „Hier draußen verliert die Vergangenheit schnell ihre Farbe. Die Wüste bleicht, bis nur noch Knochen übrig bleiben.“
Der Satz traf William härter als er wollte. „Ich habe nichts zu vergessen“, log er.
Walther lachte kurz, ein trockenes Bellen. „Jeder hat was zu vergessen. Sonst wärst du nicht hier. Niemand kommt freiwillig nach Silent Creek, wenn er glücklich ist.“ Er lehnte sich vor, der Stuhl knarrte. „Aber ich muss Sie warnen. Das Vergessen hat seinen Preis. Manchmal verliert man Dinge, die man behalten wollte. Den eigenen Namen. Den Grund, warum man aufgestanden ist.“
William spürte, wie sich seine Hand in der Tasche um den Schlüssel krampfte. „Drohen Sie mir, Sheriff?“
„Ich?“ Walther legte die Hand auf die Brust. „Gott bewahre. Ich bin hier, um Sie willkommen zu heißen. Wir sind eine Gemeinschaft. Wir passen aufeinander auf.“
Sein Blick wanderte durch den Raum und blieb an der Ecke hängen, wo der Beistelltisch leer stand. Walther runzelte die Stirn. „Sie räumen gern um.“
„Ich mag Minimalismus.“
„Das Telefon“, sagte Walther. „Es stand dort.“
„Es war kaputt. Ich habe es weggeräumt.“
„Weggeräumt.“ Walther wiederholte das Wort. „Eigentum der Gemeinde zu entfernen, ist ungewöhnlich. Die meisten lassen es stehen. Als Dekoration. Als Hoffnung.“
„Hoffnung worauf?“
„Dass es klingelt.“ Walther fixierte William. „Dass jemand anruft und sagt: Es ist alles gut. Komm nach Hause.“
William spürte einen kalten Schauer. „Es gibt kein Zuhause.“
„Sehen Sie? Sie passen perfekt hierher.“
Walther trank seinen Kaffee aus und stand auf, fließend, zu fließend für seine Statur. Er trat auf William zu. William zwang sich, stehen zu bleiben. Walther blieb direkt vor ihm stehen, einen Kopf größer, roch nach Hitze und Gefahr.
Und dann fiel William etwas auf. Im Trailer herrschten sicher fünfunddreißig Grad. William spürte Schweiß im Rücken. Walther schwitzte nicht. Kein Tropfen auf der Stirn, keine dunklen Flecken unter den Achseln. Seine Haut wirkte trocken wie Pergament.
„Sie schwitzen nicht“, sagte William.
Walther lächelte, doch seine Augen blieben kalt. „Ich bin akklimatisiert. Ich bin Teil der Landschaft, William. Der Sand schwitzt auch nicht.“ Er klopfte William auf die Schulter. Seine Hand war schwer. Und warm. Zu warm. Wie ein Heizkissen.
„Kommen Sie im Diner vorbei“, sagte Walther. „Marie macht den besten Hackbraten westlich des Pecos. Sagen Sie ihr, Walther schickt Sie.“
Er ging zur Tür, blieb im Rahmen stehen. „Eine Sache noch.“
„Ja?“
„Gehen Sie nicht zu weit raus. In die Wüste.“
„Warum?“
„Die Orientierung“, sagte Walther. „Es ist leicht, sich zu verlaufen. Die Landschaft verändert sich. Manchmal glaubt man, Dinge zu sehen, die nicht da sind. Und manchmal sieht man Dinge, die da sind, aber die man besser nicht gesehen hätte.“ Er tippte an die Hutkrempe. „Willkommen in Silent Creek, Mr. Dust.“
Er trat hinaus. William sah ihm nach. Walther ging zu einem staubigen Chevrolet Blazer, stieg ein, startete den Motor. Er fuhr weiter, die Straße hinunter, tiefer in den Trailerpark hinein, obwohl dort keine Trailer mehr standen.
William schloss die Tür und verriegelte sie sofort. Er lehnte sich mit dem Rücken dagegen. Seine Hände zitterten. Dieser Mann war falsch. Die Art, wie er sprach, sich bewegte. Das Fehlen von Schweiß.
Auf dem Tisch stand die Thermoskanne. Daneben der volle Becher Kaffee, Dampf stieg auf. William nahm den Becher, roch daran. Kaffee, stark, gut. Doch darunter ein Unterton. Bittermandel. Er schüttete den Kaffee in die Spüle. Die braune Flüssigkeit gurgelte im Abfluss. Er spülte den Becher aus, rieb ihn mit den Fingern.
„Hier draußen vergisst man schnell, woher man kommt“, hatte Walther gesagt.
William sah in den Spiegel über der Spüle. „Ich vergesse nicht“, flüsterte er. In dem Moment schoss ein stechender Schmerz durch seine Schläfe. Ein kurzes Flimmern vor den Augen. Für den Bruchteil einer Sekunde sah er im Spiegel nicht sein Gesicht, sondern ein anderes. Ein Gesicht mit einer weißen Maske. Dann war es weg.
William packte das Waschbecken, bis die Knöchel weiß wurden. Er brauchte Luft, musste sehen, ob dieser Ort real war. Er griff nach dem Autoschlüssel. Er würde fahren. Raus in die Wüste. Genau dorthin, wo Walther gesagt hatte, er solle nicht hingehen.
William trat hinaus in die Mittagshitze. Die Sonne stand im Zenit, brannte alle Farben aus der Welt. Er ging zu seinem Ford Taurus. Das Metall war so heiß, dass er die Tür nur mit dem Ärmel öffnen konnte. Der Innenraum war ein Ofen. Er kurbelte die Fenster herunter, startete den Motor und rollte über den Kiesweg. Er passierte Trailer Nr. 3, warf einen Blick hinüber. Die Jalousien waren unten. Ein Kinderfahrrad lag im Vorgarten, umgekippt. Lebte dort jemand? Ein Kind?
Er fuhr zur Hauptstraße und bog links ab, weg vom Diner, hinaus in die offene Wüste. Er beschleunigte. Der Asphalt war rissig, von Unkraut durchbrochen. Der Tacho kletterte. Silent Creek schrumpfte im Rückspiegel. Er zündete sich eine Zigarette an. „Akklimatisiert“, murmelte er. „Arschloch.“
Walther war ein lokaler Tyrann, ein kleiner König. Machtdemonstration, mehr nicht.
William fuhr zehn Minuten. Zwanzig. Die Landschaft veränderte sich nicht. Rote Felsen, Kakteen, Sand. Er schaltete das Radio ein, drehte am Suchlauf. Rauschen. Kein Sender. Keine Musik. Nur weißes Rauschen.
Dann veränderte es sich. Es wurde rhythmisch. Schhh … Tack … Schhh … Tack. Wie Atmen. Aus dem Rauschen schälte sich eine Stimme, leise, verzerrt.
„… William …“
Er riss das Lenkrad herum. Der Wagen schlingerte. Er bremste hart und kam am Straßenrand zum Stehen. William starrte auf das Radio. „Was?“ Das Rauschen war wieder gleichmäßig. „Wer ist da?“ Er schlug auf das Radio. Stille.
William lehnte sich zurück. Sein Herz raste. Isolation. Hitze. Er halluzinierte. Er hörte seinen Namen im Rauschen. Er legte den Rückwärtsgang ein und wollte wenden, als er etwas sah.
Fünfzig Meter abseits der Straße stand ein Objekt. Zu geometrisch. Ein schwarzer Würfel, matt, etwa so groß wie eine Hundehütte, mitten im Gestrüpp. William starrte hin. Neugier siegte. Er schaltete den Motor aus und stieg aus. Die Hitze schlug zu. Er ging auf den Würfel zu.
Das Ding wirkte wie Metall, aber nicht wie Stahl. Eher wie Stein. Oder Keramik. Keine Türen, keine Fenster, keine Kabel. Ein perfekter schwarzer Monolith.
William streckte die Hand aus. Die Oberfläche war eiskalt. Mitten in der Wüste, bei vierzig Grad, war dieses Ding so kalt wie Eis. Er zog die Hand zurück. „Was zum Teufel …“
Er ging um den Würfel herum. Auf der Rückseite war eine Gravur, winzig, unten rechts. Ein stilisiertes Auge im Kreis. Darunter eine Nummer.
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